Mutter-Kind-Studie: Gestresste Mütter haben dickere Kinder

Das erste Lebensjahr eines Kindes kann gerade für Mütter eine anstrengende Erfahrung sein.

Doch die hohe seelische und körperliche Belastung fügt nicht nur der Mutter Schaden zu, auch das Kind selbst kann unter Umständen langfristig unter den Folgen von zu viel Stress leiden.

Eine groß angelegte Mutter-Kind-Studie, die vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH), der Berliner Charité, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und der Universität Bristol durchgeführt wurde, hat Erstaunliches zutage gefördert.

Je mehr Stress eine Mutter in den ersten zwölf Monaten nach der Geburt empfand, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in den ersten Lebensjahren zu Übergewicht neigte. Besonders ausgeprägt war diese Tendenz bei Mädchen.

Diese Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachblatt ‘BMC Public Health’.
 

Mütter und Kinder unter der Lupe

Im Rahmen der Studie untersuchte ein Team um Saskia Trump und Irina Lehmann, die beiden am BIH forschten, die Daten von 498 Mutter-Kind-Paaren.

Sie ermittelten dabei zunächst den Body-Mass-Index (BMI) der Kinder, normierten diesen dann auf Alter und Geschlecht.

Parallel wurden das subjektive Stressempfinden der Mütter mithilfe eines Fragebogens ermittelt: Ausgelotet wurden Sorgen und Ängste, Anspannung, die allgemeine Zufriedenheit und der Umgang mit alltäglichen Aufgaben.

Als sie die beiden Datensätze miteinander verglichen, stießen die Wissenschaftlerinnen auf den Zusammenhang zwischen Stress und Übergewicht des Kindes.

Stress führt zu Übergewicht

“Wir haben dabei deutlich gesehen, dass der empfundene Stress der Mutter während des ersten Lebensjahres des Kindes mit der Gewichtsentwicklung des Kindes in den ersten fünf Lebensjahren zusammenhängt.

Gestresste Mütter haben häufiger übergewichtige Kinder als entspannte Mütter”, erklärt Irina Lehmann in einer Pressemitteilung.

Ihre Kollegin Saskia Trump ergänzt: “Besonders auffällig ist der Einfluss von mütterlichem Stress auf Mädchen.” Es wird angenommen, dass Jungen den Stress besser kompensieren.
 

Das erste Jahr ist entscheidend — für Mutter und Kind

Es sind vor allem die ersten zwölf Monate im Leben eines Kindes, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mütterlicher Stress im zweiten Lebensjahr oder während der Schwangerschaft hingegen hätte nicht annähernd den gleichen Effekt.

“Das erste Lebensjahr scheint eine sensible Phase und für die Neigung zu Übergewicht prägend zu sein. In dieser Zeit sollte dem Befinden der Mutter daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden”, rät eine der Erstautorinnen der Studie, Kristin Junge vom UFZ.

Es seien finanzielle Sorgen, die Wohnsituation, aber auch Verkehrslärm, die frisch gebackenen Müttern Stress bereiten.

In Deutschland ist jedes zehnte Kind übergewichtig. Ob die neu gewonnen Erkenntnisse darauf einen positiven Einfluss haben können, wird sich wohl erst langfristig zeigen.

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