Experten erklären: Darum ist die Keto-Diät so schwer durchzuhalten

Ursprünglich als Therapiemaßnahme für Kinder mit Epilepsie und für Menschen mit Diebetes Typ 2 eingesetzt, ist die ketogene Ernährungsweise inzwischen als wirksame Abnehmmethode bekannt.

Experten, die mit ‘Business Insider‘ sprachen, geben allerdings zu bedenken, dass die Keto-Diät schnell frustrieren und zum Abbrechen verleiten kann. Sie raten zu anderen Methoden, um abzunehmen.
 

Keto bedeutet strikte Kontrolle und Verzicht

Bei einer Keto-Diät werden 70 bis 80 Prozent des täglichen Kalorienbedarfs aus Fetten sowie 20 bis 25 Prozent aus Eiweißen gezogen. Kohlenhydrate sind kaum zugelassen und Zucker überhaupt nicht.

Diese Ernährungsumstellung führt dazu, dass der Körper nach kurzer Zeit in den Hungermodus schaltet und anfängt, Energie aus seinen Fettspeichern zu ziehen. Dieser Zustand wird als Ketose bezeichnet.

Dass Ketose zu schnellen Erfolgen beim Abnehmen führen kann, ist unbestritten. Vielen fällt die fettreiche, kohlenhydratarme Keto-Diät allerdings schwer.

Gerade zu Beginn der Diät wird Essen zur reinen Rechenaufgabe. Auch erfordert die Diät eine komplett neue Denkweise: Lebensmittel, die eigentlich als gesund gelten, sind plötzlich tabu.

So enthalten manche Obst- und Gemüsesorten vergleichsweise viele Kohlenhydrate. Blumenkohl und Avocados könnte man als Grundnahrungsmittel der Keto-Diät bezeichnen. Von Karotten und Äpfeln hingegen müssen die Finger gelassen werden – sie enthalten von Natur aus zu viel Zucker für die ketogene Ernährungsweise.

Experten sehen genau darin ein Problem.

Zwar könne die Keto-Diät dabei helfen, weniger verarbeitete Lebensmittel zu sich zu nehmen und den Konsum von Zucker zu reduzieren. Durch die harten Einschränkungen ließen sich konsequente Keto-Anhänger allerdings viele wertvolle, zum Teil auch entzündungshemmende Lebensmittel entgehen.

Sich zumindest innerhalb der zugelassenen Nahrungsmittel vielseitig zu ernähren werde für alle, die sich ketogen ernähren wollen, zur dringenden Pflicht. Anderenfalls könne sich der erhöhte Eiweiß- und Fleischkonsum auf die Gesundheit der Nieren niederschlagen und Gicht begünstigen.
 

In der Bildergalerie: 10 Basics einer gesunden Ernährung

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Soziale Isolation durch Diät-Vorschriften

Wendy Wood, eine Psychologieprofessorin, die zum Thema Gewohnheitsbildung an der ‘University of Southern California’ forscht, erklärt, wieso Keto bei so vielen Menschen zum Scheitern verurteilt ist. Das fange schon bei der Rolle im sozialen Umfeld an:

„Man kann nicht mehr einfach mit seinen Freunden abhängen und eben schnell irgendwo etwas essen gehen oder jemanden nach der Arbeit auf einen Drink treffen, weil das angebotene Essen meistens nicht zur Diät passt“, beschreibt Wood die Situation für diejenigen, die sich an Keto probieren. Das könne zu einem Gefühl von sozialer Isolation führen.
 

Zu viele Entscheidungen rund ums Essen

Noch hinderlicher beim Durchziehen der Keto-Diät sei aber die natürliche Bequemlichkeit der Menschen. Wer auf einer Keto-Diät, muss jeden Tag unzählige Entscheidungen darüber treffen, was essbar ist und was nicht.

Den meisten Menschen sei das auf Dauer zu anstrengend. Denn wir alle arbeiteten mit einem inneren Autopiloten: Rund 40 Prozent unseres Tagesablaufs bestehe aus Gewohnheiten, über die wir nicht weiter nachdenken.

„Wenn man konstant mit sich ringen und darüber nachdenken muss, was man tun oder nicht tun sollte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man irgendwann aufgibt und zu seinen üblichen Gewohnheitsmustern zurückkehrt“, meint Wood.
 

Neue Gewohnheiten als individuelles Abnehmprogramm

Hier setzt der Alternativvorschlag der Ernährungsexperten an. Sie raten: Lege dir simple und bewusste Ernährungsroutinen zu, an die du dich ohne Probleme halten kannst und die das Potenzial haben, mit der Zeit zur festen Gewohnheit zu werden.

Zwei Ernährungsexperten – Jason Ewoldt von der Mayo Clinic und Julia Zumpano von der Cleveland Clinic – legten ‘Business Insider’ gegenüber offen, was sie an einem normalen Arbeitstag zu sich nehmen:

Beide bereiten ihr Mittagessen bereits zu Hause vor und nehmen dieses dann mit zur Arbeit. Dabei wählen beide Lebensmittel aus, die reich an Ballaststoffen und Proteinen, aber arm an Zucker sind, wie zum Beispiel Nüsse, Käse und frisches Gemüse.

Wood meint dazu: „Wer für sich eine Gewohnheit daraus gemacht hat, gesund zu essen, der bleibt auch dabei, selbst wenn er mit ungesunden Optionen konfrontiert wird.“
 

Hauptsache ausgewogen und leicht umsetzbar

Eine 2009 im ‘New England Journal of Medicine‘ veröffentlichte Studie unterstützt diese Aussage, indem sie zur Erkenntnis kommt, dass es keine Rolle spielt, wie viel Fette, Proteine und Kohlenhydrate man konsumieret – jede Ernährung kann erfolgreich sein, wenn sie ausgewogen und leicht umsetzbar ist.

Diesem Ansatz schließen sich immer mehr Ernährungswissenschaftler an und plädieren für ein abwechslungsreiches, aber individuelles Essverhalten – das sich nicht nur über die Dauer einer Diät zieht.

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