Psychokardiologie: So sehr belastet Stress das Herz

Als unsere Vorfahren früher noch auf die Jagd gingen, war Stress ihr bester Freund. Denn dieser rettete ihnen im Zweifel das Leben.

Bei Gefahr – und nichts anderes signalisiert Stress dem Körper – werden Herzschlag und Atmung beschleunigt, die Muskeln stärker durchblutet und der Geist ist hellwach.

Der Körper war so bestmöglich gewappnet für die zwei einzig denkbaren Szenarien: Kämpfen oder Fliehen.

In beiden Fällen wurde dabei vom Organismus maximaler Muskeleinsatz gefordert.

Das ist heute anders. 
 

Wie Stress vom Freund zum Feind wurde

Egal, wie sehr sich die To-dos auf dem Schreibtisch stapeln, wie oft das Telefon klingelt und wie hoch der emotionale Stress, den man in zwischenmenschlichen Beziehungen gerade durchzustehen hat, auch sein mag – in den seltensten Fällen braucht es für die Lösung der heutigen Gefahren noch maximale Muskelaktivität.

Das allerdings ist ein Problem.

Denn nach wie vor ist Stress die Reaktion auf drohende Überforderung. Der Mensch bildet automatisch die Fähigkeit aus, auf Gefahrensituationen schnell zu reagieren und dabei die maximale Körperkraft einzusetzen.

Nur, dass die eigentlich zu folgende Muskelaktivität als Stressreaktion heutzutage ausbleibt.

Und nicht nur das: Der empfundene Stress hält heuzutage auch länger an als noch zu menschlichen Vorzeiten. Denn damals entschieden Kampf oder Flucht ziemlich schnell darüber, wann man wieder in die Entspannung übergehen konnte.

Auch das ist heute nicht mehr so und führt darüber zu einer langfristigen Überforderung des Körpers.
 

Ohne Erholungsphasen wird das Herz krank

Prof. Dr. med. Christoph Herrmann-Lingen vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen erklärt den Effekt von Stress auf das Herz wie folgt: “Eine Aktivierung von Herz und Kreislauf ohne Muskelaktivität lässt den Blutdruck steigen. Geschieht das über einen längeren Zeitraum, gewöhnt sich der Organismus an die zu hohen Werte.”

Das allerdings kann bei ausbleibenden Erholungsphasen große Belastungen für das Herz bedeuten.

“Eine Hochdruckerkrankung entwickelt sich”, erklärt der Professor und ergänzt: “Langfristig können sich die Herzkranzgefäße stark verengen, es kann zu Schäden am Herzmuskel, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzinfarkt oder Herzversagen kommen.”

Quelle

Herzstiftung: Stress für die Seele ist eine Strapaze fürs Herz, abgerufen am 12.02.2020: https://www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=953

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